Corona hat die Welt verändert - und auch die Arbeitswelt
Vor nicht allzu langer Zeit waren die Hauptthemen in Bürogebäuden oder bei der Gestaltung von Arbeitsräumen die gemeinsame Nutzung von Desktops und die Minimierung der m² pro Person, aber die Corona-Pandemie hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass dies möglicherweise nicht der richtige Weg für unsere Zukunft ist.
Die Architektur, die Raumqualität und die Gestaltung der Arbeitsräume werden einen neuen Stellenwert erhalten.
Es geht nicht nur um die Gestaltung des Arbeitsplatzes an sich, sondern vielmehr um die emotionale Qualität, die nicht nur mit der Qualität des Raumes, sondern auch mit dem Tageslicht und vor allem mit dem individuellen Raum, der jedem Mitarbeiter zur Verfügung steht, verbunden ist.
Der individuelle Raum schafft nicht nur Qualität, sondern ermöglicht auch strukturelle Teamarbeit - es können Teams gebildet werden und es gibt genügend Raum, um Projekte in engem Kontakt mit den anderen Mitarbeitern zu realisieren.
Die informelle Möglichkeit zum Gedankenaustausch sollte direkt am Arbeitsplatz stattfinden. Zwischen dem ersten und zweiten Lockdown in Österreich im Jahr 2020 haben wir eine neue und innovative Arbeitsumgebung für namhafte Anwälte in Graz, Steiermark, entworfen und auch realisiert.
Das Gebäude ist eine alte Schule im Westen von Graz, die in den späten 60er Jahren von Domenig + Huth, zwei berühmten Grazer Architekten, entworfen wurde.
Es ist eines der ersten Beispiele des Betonbrutalismus in Graz und steht mittlerweile unter Denkmalschutz.
Das Herzstück der neuen Kanzlei ist die alte Aula.
Der große und offene Raum wird mit Hilfe von 9 deckenhohen Bäumen strukturiert. Diese 5 m hohen Bäume wachsen unter den 9 vorhandenen Lichtkuppeln in den Himmel.
Die Pflanzen sind nicht nur ein strukturelles Element, sondern vor allem ein emotionaler Verbindungsfaktor, den wir alle aus dem Wald und der Natur kennen.
Die Arbeitsbereiche sind zwischen diesen Bäumen in ihren großen Töpfen angeordnet. Das Blätterdach verändert sich ständig mit dem Stand der Sonne bzw. durch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse.
Die zum Büroraum umfunktionierte, zweigeschossige hohe Aula ist der zentrale Punkt, der von einem großzügigen Entrée, einem Konferenzraum, sowie Büros, in die man sich zurückziehen kann, umgeben ist.
Im Erdgeschoss befinden sich ein Seminarraum, ein Aufenthaltsraum, ein Gemeinschaftsraum und eine großzügige Terrasse, von der aus die Anwälte einen Blick ins Grüne und in den nahe gelegenen Schlossgarten werfen können.
Mannschaft:
Architekt: Ernst Giselbrecht + Partner Architektur zt GmbH
Weitere TeilnehmerInnen: Werkstatt Prödl GmbH, Johann Fasching Installations GmbH; Elektro Ofner GmbH; Ammon KG; Florawall GmbH
Fotografie: Sara Sera, Martin Schönbauer, Susanne Bayer
Verwendetes Material:
1. Inneneinrichtung: Fantoni, Quaranta BLA Station, Opppo Serralunga, Big-Bo Desalto, Sand
2. Innenbeleuchtung: Zumtobel, Linetik